Thema Meere

Greenpeace beschäftigt  sich seit vielen Jahren mit dem Thema Meere. Dabei stand zu Beginn der Walfang im Vordergrund. Auch heute ist Greenpeace noch gegen die Jagd auf Wale Greenpeace aktiv, Das Thema Überfischung hat aber einen besonders großen Stellenwert in unserer Arbeit eingenommen.

 

Die Speisefischbestände werden seit Jahrzehnten massiv dezimiert, so sind über 90 % der globalen Fischbestände bis an die Grenze genutzt (61,3 %) oder überfischt (28,8 %) (FAO-Bericht 2014). In europäischen Gewässern ist es sogar noch dramatischer: Im Atlantik sind 63 % der Speisefischbestände überfischt und im Mittelmeer sogar 82 %. Vor allem Thunfisch, Schwertfisch und Kabeljau wurden innerhalb von 50 Jahren um bis zu 90 % ihrer Bestände dezimiert.  Schuld für diesen starken Rückgang der Bestände ist die im  großen Maßstab stattfindende industrielle Fischerei. Die jährliche Fangmenge für Thunfisch stieg beispielsweise von 500.000 t in den 1970ern auf heute 2,8 Mio. t.  Ermöglicht wurde eine so starke Erhöhung der Fangmenge durch Megatrawler, sogenannte Fischereimonster/ Monsterboats. Diese bis zu über 100 m langen Fabrikschiffe haben insgesamt eine zwei- bis dreifach zu hohe Fangkapazität als unsere Weltmeere vertragen. Auf einer einzigen Ausfahrt können Monsterboats bis zu  7000 t Fisch verarbeiten und gekühlt lagern. Diese enormen Mengen an Fisch ziehen sie beispielsweise mittels Netzen, die bis zu 12 Jumbojets Platz bieten würden, aus dem Meer. Dabei ist die Schleppnetzfischerei eine der zerstörerischsten Fangmethoden. Diese stark unselektive Methode fordert extrem viel Beifang, welcher meist verletzt oder tot wieder über Bord geht um keine Lagerkapazitäten zu belegen. Eine spezielle Art von Schleppnetzen, die Grundschleppnetze, werden mit schwerem Metallgeschirr über den Meeresboden gezogen, um bodennah lebende Arten zu befischen. Auch für die Tiefseefischerei in Tiefen bis zu 2000 m werden diese Netze eingesetzt. Dabei werden nicht nur ganze Ökosysteme am Meeresboden zerstört, es fällt auch noch mehr Beifang an (bis zu 80% des Fangs), da die Meeresböden – auch in der Tiefsee – besonders artenreiche Gebiete sind. 

Wissenschaftler prognostizieren daher einen Kollaps der meisten kommerziellen Fischereien bis 2050, wenn sich die heutigen Fischereimethoden nicht grundsätzlich ändern.

Auch Aquakulturen stellen nicht die Lösung des Problems dar. Lachs, Thunfisch, etc. sind Raubfische  und müssen mit Fisch aufgezogen werden. Für die Zucht wird daher wiederum Wildfisch gefangen und als Fischmehl/-öl verfüttert.

Seit der Fischfang vor der eigenen Küste nicht mehr lukrativ genug ist, fischen Fischereimonster auch vor der Küste Westafrikas. Die Netze der lokalen Kleinfischer bleiben leer, was den Menschen in in vielen Entwicklungsländern die Lebensgrundlage nimmt.

 

Greenpeace fordert daher:

Ø  Ein ökologisch nachhaltiges und sozialverträgliches Fischereimanagement

Ø  Ein Netzwerk großflächiger Meeresschutzgebiete, das 40 % der Ozeane abdeckt

Ø  Ein sofortiges Verbot für jegliche Art der Tiefseeausbeutung auf der Hohen See

Ø  Realistische Fangquoten, die auf wissenschaftlichen Forschungsergebnissen basieren müssen und sich nicht am Bedarf orientieren dürfen

Ø  Eine transparente und nachhaltige Einkaufspolitik für Fisch und Meeresfrüchte

Ø  Mehr Kontrolle gegen internationale Piratenfischerei

 

Anfang 2014 deckte Greenpeace eine skandalöse Verkettung von persönlichen und finanziellen Beziehungen zwischen der Deutschen See (größter deutscher Seefischimporteur) und dem isländischen Walfang auf. Der Besitzer der isländischen Firma HB Grandi, Christian Loftson, ist gleichzeitig Teilhaber der Firma Hvalur hf., die in Island Jagd auf Finnwale macht. HB Grandi wiederum liefert isländischen Rotbarsch an die Deutsche See. Es gab mehrere Gesprächsrunden mit der Führung der Deutschen See mit der Forderung, die Handelsverbindungen zu kündigen. Weitere Gespräche sind geplant.

 

Auf EU-Ebene gab es im Januar 2014 mit der Reform der Gemeinsamen Fischereipolitik für die Periode 2014-2024 klare Vorgaben für eine nachhaltige Fischerei. Im Dezember 2014 fand das  Treffen der Fischereiminister der EU-Länder statt, bei dem die Fangquoten für 2015 festgelegt wurden. Greenpeace war mit einem Banner mit Foto-Mosaik direkt vor Ort , welches während der Global Week of Action entstand. Das Ergebnis war enttäuschend, die Höhe der Quoten orientiert sich bei einigen Fischbeständen nicht an wissenschaftlichen Empfehlungen und auch die Fangquotenvergabe orientiert sich noch immer nicht in Richtung nachhaltiger und schonender Kleinfischerei. Greenpeace wandte sich mit einer Handlungsaufforderung an Landwirtschaftsminister/Fischereiminister Christian Schmidt, damit sich dieser für eine nachhaltige Fischereipolitik einzusetzt.

Zudem hat Greenpeace nach mehr als ein Jahr nach Inkrafttreten der neuen Fischereigesetze Bilanz gezogen und geprüft, wie die neuen Regeln von den Mitgliedsländern bis jetzt umgesetzt wurden. Das Ergebnis bisher sehr unbefriedigend.

 

Ende 2014 lief bei Greenpeace die große Kampagne zum Thema Monsterboats an. Den Auftakt dazu stellte der Bericht „FISCHEREIMONSTER - DER FLUCH DER MEERE - Die zerstörerische Konzentration von Macht und Quoten in der EU-Fischfangindustrie“ dar. Darin veröffentlicht Greenpeace eine Liste der 20 zerstörerischsten europäischen Megatrawler und zeigt übliche Praktiken wie Nationalitäten-/Flaggenwechsel, Tarnfirmen, persönlichen Kontakten zu Entscheidungsträgern sowie weitere illegale Praktiken auf. Greenpeace fordert, dass die Überkapazitäten an Flotten dringend abgebaut werden müssen.    

 

Zudem ist eine sogenannte Whistleblower-Plattform online gestellt, auf der Fischer anonym als „Vesselreporter“ auf illegale Machenschaften hinweisen können, zum Beispiel Schiffe, die sich Kontrollen  entziehen und Seeleuten schlechte Arbeitsbedingungen geben.

 

Den Fischratgeber, der bereits seit einigen Jahren in immer neuer Auflage erscheint, liefert Informationen darüber, welche Bestände welcher Fischarten noch empfehlenswert für den Verzehr sind und auf welche Informationen zu achten ist. Darunter fallen auch Fanggebiet sowie Fangmethode. Seit Ende 2014 gibt es den Fischratgeber neben der Papierform auch als App für Smartphones (Android und IOS) zum download. Damit die nötigen Informationen wie Fischart, Fanggebiet, etc. auch auf den Fischprodukten gekennzeichnet sind, ist Greenpeace regelmäßig im Gespräch mit deutschen Supermarktketten. Diese Mühe macht sich bezahlt.

 

Auch auf der BOOT-Messe in Düsseldorf war die Greenpeace-Gruppe Düsseldorf wie in den letzten Jahre vertreten und informierte über das Thema Überfischung und Monsterboats.

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